Beiträge Ärzte gegen Tierversuche

Schweineherz in Patienten transplantiert

Autor: Dr. Gaby Neumann

Pressemitteilung

Xenotransplantation erweckt falsche Hoffnung bei Patienten

An der Universität von Maryland in den USA wurde Medienberichten zufolge einem schwer herzkranken Patienten zum ersten Mal ein Schweineherz transplantiert. Das hört sich nach einem medizinischen Wunder an. Aber nur, wenn man nicht auf die medizinischen Fakten schaut, wie der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche zu bedenken gibt.

Bei der Xenotransplantation wird ein Organ eines Tieres in eine andere Spezies transplantiert. Schon bei einer Transplantation innerhalb einer Art kommt es zu massiven akuten wie chronischen Abstoßungsreaktionen des Körpers, die nur durch lebenslange Gabe von die Immunabwehr unterdrückenden Medikamenten in Schach zu halten sind. Bei Übertragungen von einer Tierart auf eine andere ist diese Abwehrreaktion weitaus heftiger.

Diese Abstoßung versucht man durch „Vermenschlichung“ des Spendertiers zu beherrschen. Schweinen wird menschliches Erbgut eingeschleust und für Abstoßungsreaktionen verantwortliche Gene werden ausgeschaltet. So auch geschehen im aktuellen Fall, bei dem einem Mann in den USA das Herz eines genmanipulierten Schweins eingepflanzt wurde. Die Organe dieser genmanipulierten Tiere sollen damit von der Immunabwehr des Empfängers nicht erkannt werden. „Eine gefürchtete hyperakute Reaktion hat sich im aktuellen Fall damit anscheinend verhindern lassen“, so Dr. Gaby Neumann, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ärzte gegen Tierversuche. „Doch muss man davon ausgehen, dass es auch verzögerte Abstoßungsreaktionen geben wird. Deshalb wird der Organempfänger auf jeden Fall immunsenkende Mittel einnehmen müssen, die weit über das Maß hinausgehen, das man von der Transplantation eines menschlichen Herzens kennt.“

Diesem Menschenversuch voraus gehen seit Jahren Tierversuche, bei denen Schweineherzen in Affen – meist Paviane – eingepflanzt werden. Die Primaten werden einem wahren Medikamenten-Cocktail ausgesetzt, der für eine Anwendung im Menschen kaum realisierbar wäre. Die Tiere erhalten unter anderem Schmerzmittel, Cortison und eine Vielzahl weiterer Medikamente und Antikörper zur Blutdrucksenkung oder Stützung des Kreislaufs, zur Unterdrückung einer Abstoßungsreaktion, zur Verhinderung von Thrombosen, zur Unterdrückung von Entzündungen, bakteriellen und viralen Infektionen und zur Bildung von roten Blutkörperchen. Alle Medikamente weisen ein breites Spektrum von schweren Nebenwirkungen auf. Trotzdem sterben die meisten Affen bereits nach Stunden oder wenigen Tagen qualvoll an Organversagen. Auch in Deutschland werden solche Xenotransplantationsversuche seit Jahrzehnten an der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt.

Eine weitere Problematik besteht in der potenziellen Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung von bislang unbekannten Krankheiten. Denn im Erbgut der Schweine können sich Viren verbergen, die für diese harmlos sind, aber potenziell gefährlich für den menschlichen Empfänger des Organs. Und nicht nur für ihn. Denn spätestens durch Corona weiß man, dass tierische Krankheitserreger sich verändern und auf den Menschen überspringen können. Ende der 1990er Jahre kam die Fremdorganforschung fast zum Erliegen, als entdeckt wurde, dass Schweine-Retroviren (PERV) menschliche Zellen im Reagenzglas infizieren können.

Selbst wenn die enormen Hürden bei der Abstoßung überwunden werden sollten, bleibt unbekannt, wie ein Schweineorgan auf den menschlichen Lebenswandel reagiert. Die gegenüber dem Schwein sehr viel höheren Cholesterinwerte des Menschen können zur Verstopfung der Blutgefäße führen. Bis heute weiß niemand, ob tierische Organe überhaupt von menschlichen Hormonen reguliert werden können. Zudem ist unbekannt, inwieweit sich die sehr viel kürzere Lebensspanne des Schweins auf das transplantierte Organ auswirkt.

„Gerade zum Wohle von Patienten kann die Lösung für den akuten Organmangel nicht in der völlig unkalkulierbaren Xenotransplantation liegen“, so Neumann. „Viel wichtiger sind der verstärkte Fokus auf Verbesserungen von Präventionsmaßnahmen und die Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten mit Hilfe von sinnvollen, humanrelevanten tierversuchsfreien Hightechmethoden.“

Weitere Information
Ärzte gegen Tierversuche, Stellungnahme zu Xenotransplantation 06.12.2018 >>

Augsburg wird vorzeitig zur Tierversuchs-Stadt

Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
16. November 2021

Augsburg wird vorzeitig zur Tierversuchs-Stadt

Ärzte gegen Tierversuche spricht von einem Schlag ins Gesicht

Die Universität Augsburg will Nägel mit Köpfen machen und die umstrittenen Tierversuche vorzeitig etablieren. Statt erst 2030 in einer geplanten Tierhaltung auf dem neuen Medizin-Campus sollen schon bald Mäuse und Ratten in Räumen des Sigma-Parks gehalten, gequält und getötet werden. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche protestiert seit anderthalb Jahren.

Seit Bekanntwerden der Pläne Anfang 2020, in Augsburg eine Tierversuchseinrichtung für 36 Mio. Euro errichten zu wollen, gibt es massive öffentliche Proteste dagegen. Mit Unterschriftensammlungen, Demos und regelmäßigen Mahnwachen macht seither der Verein Ärzte gegen Tierversuche unter dem Motto „Augsburg muss tierversuchsfrei bleiben“ gegen die Pläne mobil. In einem Neubau sollen auf einer Fläche von 1.640 qm Käfige für rund 23.400 Mäuse sowie andere Tiere geschaffen werden. Inbetriebnahme war zunächst für 2027/2028 geplant und später auf 2030 verschoben.

„Bei so einem langen Zeitraum bestünde eine realistische Chance, dass auch die Uni-Verantwortlichen begreifen, dass die Forschung der Zukunft tierversuchsfrei ist“, so Dr. med. Rosmarie Lautenbacher, Ärztin aus Augsburg und Mitglied des erweiterten Vorstands von Ärzte gegen Tierversuche. So haben sich kürzlich auf dem 11. Weltkongress zu „Alternativen zum Tierversuch“ über 1.000 Wissenschaftler in 800 Vorträgen und Postern ausgetauscht – das zeigt die unfassbare Fülle moderner Forschungsmethoden etwa mit gezüchteten menschlichen Miniorganen und Multi-Organ-Chips. Und das EU-Parlament hat im September mit 97%iger Mehrheit abgestimmt, die EU-Kommission solle jetzt einen Ausstiegsplan aus dem Tierversuch entwickeln.

Medienberichten zufolge werden jetzt als Interimslösung 250 qm im Sigma-Park angemietet werden, um Käfige für 2.500 Mäuse und 400 Ratten unterzubringen. Für Dr. Lautenbacher ist das ein Schlag ins Gesicht und ein Riesenfehler. „Ist die Tierversuchseinrichtung erst mal da, werden Forscher angelockt, die sich der altertümlichen Testung am Tier verschrieben haben“. Von den künftig 101 Medizinprofessoren sind bereits 28 berufen worden.

Ärzte gegen Tierversuche hat Hinweise recherchiert, die auf geplante Tierversuche deuten. So wird für die Arbeitsgruppe „Molekulare Zellbiologie“ bereits nach Laborpersonal für tierexperimentelle Arbeiten gesucht (Injektionen von Mäusen, Gewebe- und Organentnahme). Der Lehrstuhlinhaber für Physiologie, Rudolf Schubert, hat bisher an der Medizinischen Fakultät Mannheim an Blutgefäßen von Ratten geforscht und der Lehrstuhlinhaber für Anatomie und Zellbiologie, Marco Koch, war an der Uni Leipzig unter anderem an einer Studie zur Tumor-Kachexie bei genmanipulierten Mäusen beteiligt.

„Dabei lassen sich Tierversuchsergebnisse nicht auf den Menschen übertragen. Zudem gibt es längst aus menschlichen Zellen generierte Blutgefäße und gerade im Bereich Krebsforschung gibt es eine ungeheure Fülle an tierleidfreien Forschungsmethoden, die im Gegensatz zum Tierversuch für den Menschen relevante Ergebnisse liefern“, weiß Ärztin Lautenbacher. Pumpende Mini-Herzen, filtrierende Mini-Nieren, atmende Mini-Lungen – bis zu 16 Miniorgane aus menschlichen Zellen können mit einem Blutkreislauf zu einem „Mini-Menschen“ auf einem sogenannten Multi-Organ-Chip verbunden werden. Doch solche wegweisende Forschung wird immer noch mit weit unter 1% der Förderung der Tierversuchsforschung finanziert.

Daher fordert der Ärzteverein, die 36 Mio. Euro für ein Zentrum der innovativen Spitzenforschung zu investieren, „statt krampfhaft an Tierversuche festzuhalten – einem im 19. Jahrhundert manifestierten System.“

NAT (Non Animals Technologies) Database – Datenbank zu tierversuchsfreien Forschungsmethoden

Die Datenbank NAT ist in den Sprachen Deutsch und Englisch verfügbar. Sie verfügt über eine Suchmaske, die eine Volltextsuche mit beliebigen Schlagwörtern erlaubt sowie eine spezifische Suchfunktion. Es kann nach Fachbereichen gefiltert werden wie Onkologie, Orthopädie, Medikamentenentwicklung oder Toxikologie und nach bestimmten Modelle/Methoden, z.B. In-silico-Verfahren (computerbasiert), Organoide (im Labor gezüchtete „Mini-Organe“) oder 3D-Biodruck. Zudem kann gezielt nach validierten Methoden, Jahren/Zeiträumen oder bestimmten Ländern gesucht werden. Die Volltextsuche und alle Suchkriterien können miteinander kombiniert werden, und alle Einträge können inklusive sämtlicher Details exportiert, gespeichert und gedruckt werden.

Wissenschaftler weltweit können die NAT-Database einsetzen, um sich über aktuelle Entwicklungen in einem bestimmten Forschungsfeld zu informieren und entsprechende Kontakte zu knüpfen, beispielsweise zwecks einer Zusammenarbeit oder dem Erlernen einer bestimmten Methode. Auch Behörden soll die Datenbank dabei helfen, gezielt tierversuchsfreie Verfahren zu identifizieren, die z.B. bei Forschungsanträgen anstelle von Tierversuchen eingesetzte werden sollten. Wir möchten mit der NAT-Database aber auch die breite Öffentlichkeit darüber aufklären, welche Vielfalt an großartigen tierversuchsfreien Verfahren es bereits gibt.

hier der link: https://nat-datenbank.de/

 

 

 

Was wäre, wenn Tierversuche abgeschafft wären?

…. allein in Deutschland allein würden ca. 2,8 Million pro Jahr nicht mehr geboren werden und im Tierversuch verbraucht werden ….

…. mindestens 2 Milliarden Steuergelder, die in Deutschland jährlich für Tierversuche ausgegeben werden,  könnten in humanrelevante, moderne Forschungsmethoden investiert werden…..

 

 

Tierversuchsfreie Coronavirusforschung

In der aktuellen Corona-Krise zeigt sich sehr deutlich, welch großer Fehler es in der Vergangenheit war, die tierversuchsfreien, humanbasierten Forschungsmethoden wie menschliche 3D-Lungenmodelle und Multi-Organ-Chips nicht ausreichend zu fördern.

Ein Vortrag über die Corona-Impfstoffe und die Rolle der Tierversuche von Dr. rer. nat. Dilyana Filipova, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche e.V.

https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/tierversuche/humanmedizin/3144-corona-news-und-infos

 

 

 

Augsburg muss tierversuchsfrei bleiben

Seit kurzem hat Augsburg eine Universitätsklinik und damit die jüngste medizinische Fakultät Deutschlands.

Damit verbunden ist die einmalige Gelegenheit, eine innovative und moderne medizinische Forschung zu etablieren, um die Entwicklung neuer und zukunftsträchtiger Therapiemöglichkeiten voranzutreiben.

Inzwischen ist klar, dass die Uni Augsburg, die sich selber als Reformuniversität bezeichnet, hier wenig Pioniergeist zeigt: An der Wahrnehmung vieler Augsburger Bürger vorbei, plant die Universitätsklinik Augsburg Tierversuche in ungeahntem Ausmaß mit einem Kostenaufwand im zweistelligen Millionenbereich. Und das in einer Zeit, in der sich andere Länder vom althergebrachten Tierversuch abwenden, um in moderne Methoden, wie z.B. Muti-Organ-Chips, zu investieren.

Dem bundesweiten Verein „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“ liegen über das Vorhaben der Uniklinik Augsburg zuverlässige Zahlen des Staatsministeriums vor. Mit einer Aufklärungskampagne möchte der Verein die Augsburger Bürger über die Planungen informieren und eine Umwidmung der Steuergelder in moderne wissenschaftliche Forschungsmethoden erwirken.

 

Hier die Petition, die online unterschrieben werden kann:

https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/helfen/kampagnen/3115-augsburg-muss-tierversuchsfrei-bleiben

 

Alternativen zum Tierversuch: 

https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/tierversuchsfrei/alternativen-zu-tierversuchen